HerkulesAufgaben - Flipbook - Page 21
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Risikogruppen: Vor allem Alleinlebende (30,3 %), Alleinerziehende (28,9 %) sowie
Rentnerinnen und Rentner (19,5 %) sind extrem gefährdet.
Direkter Vergleich der Dynamiken
Indikator
Entwicklung in der Schweiz (BFS)
Entwicklung in Deutschland
(Destatis)
Trendverlauf
Schleichender Anstieg über das letzte
Jahrzehnt.
Sprunghafter Anstieg auf einen
historischen Höchststand.
Armutsgefährdung 16,1 % der Bevölkerung.
16,1 % der Bevölkerung.
Auffangnetz
Starker Arbeitsmarkt schützt gut, Teuerung Reallohnverluste und die
bei Mieten und Krankenkassen drückt
Schwächung der Mittelschicht
Haushalte aber ans Limit.
verfestigen die Armut.
Altersarmut
Auf dem Papier hoch (15,5 %), wird aber
bei fast der Hälfte durch
Vermögen/Ersparnisse abgefedert.
Massives Problem (19,5 %),
insbesondere ältere Frauen sind
mangels Vermögen stark betroffen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Während die Armut in Deutschland die gesellschaftliche Mitte und
das Alter bereits breit erfasst hat, ist sie in der Schweiz (noch) stärker auf spezifische Risikogruppen
und bildungsferne Schichten konzentriert 3 wächst aber auch dort statistisch messbar an.
Gibt es Indikatoren dafür, dass die allgemeine Gesundheit und die Resilienz der Gesellschaft
abnehmen, wenn Geld zunehmend knapp wird?
Ja, es gibt in der Public-Health-Forschung, der Epidemiologie und der Soziologie klare, messbare
Indikatoren, die belegen, dass die allgemeine Gesundheit und die gesellschaftliche Resilienz
abnehmen, wenn finanzielle Mittel knapper werden. Dieser Zusammenhang wird über soziale
Determinanten der Gesundheit erforscht und beschreibt das Phänomen, dass Armut und finanzielle
Sorgen wie ein Brandbeschleuniger für körperliche und psychische Leiden wirken.
In der Schweiz und in Deutschland lassen sich diese Entwicklungen anhand etablierter
sozialmedizinischer Indikatoren exakt nachweisen:
1. Indikatoren für abnehmende psychische Gesundheit und Resilienz
Finanzieller Mangel erzeugt permanenten psychosozialen Stress, der die kognitiven und emotionalen
Kapazitäten (die psychische Resilienz) eines Menschen stark beansprucht.
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Verdopplung psychischer Belastungen: Daten der Schweizerischen Gesundheitsbefragung
(BFS) und Analysen von Caritas Schweiz zeigen, dass Menschen im untersten
Einkommensviertel in der Schweiz rund doppelt so häufig unter mittleren bis schweren
psychischen Belastungen leiden wie Gutverdienende.
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Der Teufelskreis (Bidirektionalität): Studien der Universität Zürich verdeutlichen, dass
Armut neurobiologisch zu einer dauerhaften Aktivierung der Stressachse führt. Dies schränkt
die Fähigkeit ein, zukunftsorientierte, risikobewusste ökonomische Entscheidungen zu treffen.
Finanzielle Not erhöht das Risiko für Depressionen und Angststörungen, während eine
psychische Erkrankung wiederum das Risiko für Erwerbslosigkeit und Armut drastisch
steigert.