HerkulesAufgaben - Flipbook - Page 23
das Schweizer Gesundheitssystem über einkommensunabhängige Kopfprämien finanziert wird, wirkt
sich diese Teuerung im Portemonnaie wie eine Regressivsteuer aus: Sie trifft kleinere Budgets im
Verhältnis viel härter als Grossverdiener.
In der Praxis führt diese Belastung in den Schweizer Haushalten zu vier konkreten Konsequenzen:
1. Massive Budgetkürzungen in der Mittelschicht
Während die schwächsten Einkommen durch die individuelle Prämienverbilligung (IPV) gestützt
werden, gerät die untere und mittlere Mittelschicht zunehmend in die Zange.
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Zweitgrösster Budgetposten: Nach den Wohnkosten (Miete/Hypothek) sind die
Krankenkassenprämien für viele Familien mittlerweile die zweitgrösste fixe Ausgabe 3 oft
noch vor den ordentlichen Steuern.
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Kaufkraftverlust: Da die Löhne über die letzten Jahre real stagnierten oder sanken, die
Prämien jedoch viermal so schnell wachsen wie die Löhne, bleibt am Monatsende spürbar
weniger Geld für den allgemeinen Konsum (Freizeit, Ferien, Anschaffungen) übrig.
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Ausgabenanteil: Statistisch geben einkommensschwächere Haushalte (nach Abzug
eventueller Verbilligungen) im Schnitt 14 % bis 18 % ihres verfügbaren Einkommens
allein für die Grundversicherung aus.
2. Taktische Wechsel zu Spar-Modellen und Höchstfranchisen
Um die monatliche Fixbelastung künstlich zu senken, sind Haushalte gezwungen, das finanzielle
Risiko auf die eigene Kappe zu nehmen:
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Franchisen-Maximierung: Immer mehr Schweizer wählen die Höchstfranchise von 2'500
Franken. Das senkt zwar die Prämie, bedeutet aber im Ernstfall, dass im Krankheitsfall die
ersten 2'500 Franken plus der Selbstbehalt (bis zu 700 Franken) komplett selbst bezahlt
werden müssen.
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Modell-Wechsel: Ein Grossteil der Bevölkerung weicht auf restriktive Modelle wie Hausarzt,
HMO oder digitale Telmed-Modelle aus, um Rabatte zu erzielen, was die freie Arztwahl
einschränkt.
3. Zunahme von medizinischem Verzicht (Behandlungsaufschub)
Aufgrund der oben erwähnten hohen Franchisen führt die Teuerung zu einer gesundheitlichen
Schieflage:
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Aufschieben von Arztbesuchen: Haushalte mit knappen Budgets und hoher Franchise wägen
bei medizinischen Problemen oft wochenlang ab, ob ein Arztbesuch finanziell tragbar ist.
Notwendige Abklärungen werden verschleppt, was chronische Krankheiten verschlimmern
kann.
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Verzicht auf Zahnmedizin: Da Zahnbehandlungen in der Schweiz nicht über die
obligatorische Grundversicherung gedeckt sind, verzichten einkommensschwächere Familien
bei Geldknappheit oft als Erstes auf teure Zahnarzt- oder Kfo-Besuche.
4. Wachsender Druck auf die Sozialhilfe und Verschuldung
Die Krankenkassenprämie ist einer der häufigsten Treiber für die Verschuldung von Privatpersonen in
der Schweiz.
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Prämienschulden: Können die monatlichen Rechnungen nicht mehr bezahlt werden, leiten
die Kassen Betreibungen ein. Tausende Schweizerinnen und Schweizer haben Verlustscheine
wegen unbezahlter Krankenkassenprämien angehäuft.