HerkulesAufgaben - Flipbook - Page 25
4. Soziale Isolation und Verlust der Handlungsfähigkeit (Mastery)
Schulden mindern drastisch das, was die Psychologie als >Mastery< (die erlebte Lebenskontrolle)
bezeichnet. Menschen mit Schulden fühlen sich den Umständen hilflos ausgeliefert. Da ein Eintrag im
Betreibungsregister in der Schweiz den Zugang zu neuem Wohnraum oder teilweise dem Arbeitsmarkt
massiv erschwert, führt der Schuldenberg oft zu einer schleichenden gesellschaftlichen Ausgrenzung,
was wiederum die mentale Gesundheit weiter ruiniert.
Nimmt die Zahl von Finanzdelikten in der Schweiz zu? Besteht ein Zusammenhang mit der
zunehmenden Geldnot?
Ja, die Zahl von Finanz- und Wirtschaftsstraftaten in der Schweiz nimmt stark zu. Die
Kriminalstatistik und aktuelle Expertenstudien zeichnen ein deutliches Bild eines anhaltenden
>Wachstumsmarktes
Boom< der Cyber-Wirtschaftskriminalität: Die klassische Kriminalität verlagert sich
massiv ins Internet. Allein im Bereich der digitalen Delikte machen Fälle der CyberWirtschaftskriminalität weit über 90 Prozent aus. Besonders Phishing-Straftaten (+24,9 %
im jüngsten Jahresbericht) und Anlagebetrug im Netz explodieren.
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Einschätzung der Wirtschaft: In einer gross angelegten Studie der Hochschule Luzern
(HSLU) gaben über 80 % der befragten Experten an, dass sie von weiter ansteigenden
Wachstumsraten bei der Wirtschaftskriminalität ausgehen.
2. Besteht ein Zusammenhang mit der zunehmenden Geldnot?
Der Zusammenhang ist vielschichtig. Die Kriminologie unterscheidet hier zwischen Opfer- und
Täterperspektive:
A. Die Opferperspektive (Direkter Zusammenhang mit Geldnot)
Die zunehmende finanzielle Knappheit in Teilen der Schweizer Bevölkerung (bedingt durch steigende
Mieten und Krankenkassenprämien) macht Menschen anfälliger, Opfer von Finanzbetrug zu
werden:
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Gier- und Verzweiflungsanlagen: Wer unter finanziellem Druck steht oder wem am
Monatsende das Geld ausgeht, greift eher nach dem >Strohhalm< dubioser Online-Angebote.
Sogenannte >Get-Rich-Quick