HerkulesAufgaben - Flipbook - Page 26
÷
Kleinanzeigen-Betrug: Der Betrug mit Vorauszahlungen (Ware bezahlt, aber nie geliefert)
blüht vor allem auf Second-Hand-Plattformen, da immer mehr Haushalte gezwungen sind,
Gegenstände des täglichen Bedarfs gebraucht zu kaufen.
B. Die Täterperspektive (Kein direkter Zusammenhang mit Armut)
Bei den Tätern, die schwere Finanz- und Wirtschaftskriminalität verüben, spielt die prekäre Geldnot
privater Schweizer Haushalte statistisch kaum eine Rolle:
÷
Organisierte Cyber-Kriminalität: Die Täter im Bereich des massenhaften Online-Betrugs,
der Ransomware-Attacken und des Phishings agieren meist als professionelle, bandenmässig
organisierte Strukturen aus dem Ausland. Sie handeln nicht aus persönlicher Armut, sondern
aus reinem Profitstreben.
÷
Weisse-Kragen-Kriminalität (White-Collar-Crime): Typische Täter bei der internen
Veruntreuung in Firmen sind laut KPMG-Analysen gut situierte Angestellte oder Personen im
Management. Die Motive sind hier selten die existenzielle Not, sondern eher persönliche
Bereicherung, die Finanzierung eines luxuriösen Lebensstils oder das Vertuschen von
Fehlkalkulationen.
C. Wo Geldnot zu Delikten führt (Kleinkriminalität & Sozialversicherungen)
Es gibt jedoch Deliktbereiche, bei denen ein messbarer Zusammenhang zwischen sinkender Kaufkraft
und Straffälligkeit nachgewiesen ist:
÷
Laden- und Beschaffungsdiebstahl: Einbrüche und Diebstähle korrelieren in
Ballungsräumen häufiger mit sozioökonomischer Benachteiligung oder Suchterkrankungen.
÷
Subventions- und Versicherungsbetrug: Wenn das Geld knapp wird, steigt die Versuchung
für Gelegenheitsdelikte im Kleinen 3 beispielsweise falsche Angaben bei der Steuererklärung,
Erschleichung von Prämienverbilligungen oder manipulierte Schadensmeldungen bei der
Versicherung.
Zusammenfassung
Die Zunahme von Finanzdelikten in der Schweiz ist in erster Linie ein Resultat der Digitalisierung
und der Professionalisierung globaler Betrügerbanden. Die zunehmende Geldnot im Land treibt
die Kriminalität zwar nicht primär auf der Täterseite an, sie sorgt jedoch dafür, dass ein wachsender
Teil der Schweizer Bevölkerung psychologisch verwundbarer wird und vermehrt in die Fänge dieser
Finanzkriminellen gerät.
Lässt sich ein Kipp-Punkt prognostizieren, zu dem die volkswirtschaftliche Leistungskraft von der
reduzierten Gesundheit der arbeitenden Bevölkerung aufgefressen wird?
Ein präziser, kalendarischer >Kipp-Punkt< (wie z. B. das Jahr 2032) lässt sich mathematisch nicht
prognostizieren, da wirtschaftliche Systeme dynamisch reagieren und über Mechanismen wie
Digitalisierung, Automatisierung oder Zuwanderung versuchen, Verluste auszugleichen.
Die Gesundheitsökonomie warnt jedoch eindringlich: Die Schweiz und Deutschland bewegen sich
volkswirtschaftlich bereits in einer messbaren Zone des Kippens, in der die Kosten für chronische
Krankheiten und krankheitsbedingte Produktionsverluste das reale Wirtschaftswachstum empfindlich
bremsen.
Der schleichende Übergang von stabiler Leistungsfähigkeit zu einem System, das sich selbst
>auffrisst