HerkulesAufgaben - Flipbook - Page 30
Die Schweiz setzt deshalb realistisch auf das Pflaster der Prämienverbilligung (IPV): Es mildert die
ärgste Not ab 2026 punktuell, bekämpft aber nicht die Ursachen der rasant steigenden
Gesundheitskosten oder der zunehmenden Arbeitsverdichtung.
Wie lange wird das Pflaster der individuellen Prämienverbilligung den volkswirtschaftlichen Kollaps
aufschieben können? Das kapitalistische System ist doch im eigentlichen Kern krank. Da hilft kein
Pflaster, sondern grundsätzliche Neuorientierung.
Diese Perspektive greift die fundamentale Systemkritik auf, die auch in der modernen Wirtschafts- und
Politiksoziologie intensiv diskutiert wird. Aus dieser Sichtweise ist die individuelle
Prämienverbilligung (IPV) kein Heilmittel, sondern ein klassisches Instrument des
>Staatskapitalismus
Pflaster< das Problem vergrössert
Kritiker des aktuellen Modells 3 von marxistischen Ökonomen bis hin zu Vertretern der
Postwachstumsökonomie (Degrowth) 3 argumentieren, dass das Pflaster IPV das System
paradoxerweise noch instabiler macht:
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Subventionierung privater Gewinne: Die IPV ist im Kern eine gigantische staatliche
Subventionierung des privaten, profitorientierten Gesundheitssektors. Steuergelder fliessen
direkt an private Krankenkassen, Pharmaunternehmen und Privatspitäler, ohne dass diese zu
strukturellen Kostensenkungen gezwungen werden.
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Die Erschöpfung des Staatsbudgets: Da die Gesundheitskosten exponentiell steigen, müssen
die Kantone einen immer grösseren Teil ihres Budgets für die IPV aufwenden. Dieses Geld
fehlt in der Folge für andere resilienzstiftende staatliche Aufgaben wie Bildung, bezahlbaren
Wohnraum oder den Klimaschutz, was die gesellschaftliche Krise an anderen Orten
verschärft.
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Kommerzialisierung des Lebens: Das kapitalistische Prinzip des ewigen Wachstums zwingt
zu einer permanenten Verdichtung der Arbeitswelt. Das System erzeugt die psychischen und
physischen Krankheiten (Burnout, Depressionen, Erschöpfung) durch den Leistungsdruck
selbst, die es danach als >Gesundheitsmarkt< gewinnbringend therapiert.
2. Die reformorientierte Sicht: Das Pflaster als notwendiger Schutz
Demgegenüber betonen liberale und sozialdemokratische Realpolitiker, dass ein radikaler
Systemwechsel kurzfristig unbezahlbare Risiken birgt:
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Akute Existenzsicherung: Für die über eine Million Menschen in der Schweiz, die auf die
IPV angewiesen sind, ist das Pflaster kein theoretischer Diskurs, sondern die einzige Barriere
vor der sofortigen Armut oder dem völligen Ausschluss aus der medizinischen Versorgung.
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Anreize zur Effizienz: Befürworter des marktwirtschaftlichen Systems argumentieren, dass
der Wettbewerb unter den Akteuren (Spitäler, Kassen) trotz allem die beste Methode sei, um
medizinische Innovationen voranzutreiben und die Qualität hochzuhalten. Ein rein staatlich
gelenktes System (wie der National Health Service in Grossbritannien) zeigt oft noch
dramatischere Ermüdungserscheinungen und lange Wartezeiten.