HerkulesAufgaben - Flipbook - Page 31
Ansätze für eine grundsätzliche Neuorientierung
Wer die systemische Erkrankung an der Wurzel packen will, diskutiert heute Entwürfe, die weit über
das KVG hinausgehen:
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Care-Ökonomie (Sorge-Wirtschaft): Eine Ökonomie, die nicht das Bruttoinlandsprodukt
(BIP) und den Profit ins Zentrum stellt, sondern das menschliche Wohlbefinden und die
Gesundheit. Pflege- und Beziehungsarbeit werden darin nicht als >Kostenfaktor< verbucht,
sondern als das eigentliche Fundament der Gesellschaft.
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Abkehr vom Wachstumszwang: Reduktion der Wochenarbeitszeit (z. B. die 30-StundenWoche bei vollem Lohnausgleich für untere Einkommen), um den chronischen Stress aus dem
Alltag zu nehmen und Zeit für Regeneration und Familie zu schaffen.
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Demokratisierung des Gesundheitswesens: Überführung von Spitälern und Krankenkassen
in echte, nicht-profit-orientierte Gemeingüter (Commons), bei denen der Heilerfolg und nicht
die Fallpauschale den finanziellen Erfolg bestimmt.
Die Kernfrage bleibt ein politisches Dilemma: Kann ein System von innen heraus durch Pflaster so
lange reformiert werden, bis es menschlicher wird, oder braucht es erst den grossen ökonomischen
Bruch, um Platz für eine echte Neuorientierung zu schaffen?
Wir bewegen uns hier an der Schnittstelle von Wirtschaftsphilosophie und Realpolitik. Wenn Sie
möchten, können wir einen dieser radikaleren Gegenentwürfe vertiefen:
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Wie die Modelle der Care-Ökonomie konkret in einer modernen Gesellschaft funktionieren
könnten
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Welche ökonomischen Auswirkungen eine generelle Arbeitszeitverkürzung auf die
Volksgesundheit und die Produktivität hat
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Wie andere Länder versuchen, den Profitgedanken komplett aus dem Spitalwesen zu
verbannen
Welche Anteile von Wirtschaft und Bevölkerung in der Schweiz müssen wohl leistungsmässig versagen
und unterstützungsbedürftig werden, bis sich die Politik zu einem neuen Modell für Wirtschaft und
Gesellschaft durchringen kann?
In der Politikwissenschaft und der historischen Systemforschung gibt es keine feste mathematische
Prozentgrenze, ab der ein politisches System zwingend zu einem neuen Wirtschafts- und
Gesellschaftsmodell übergeht. Politische Systeme 3 insbesondere das stark auf Stabilität ausgerichtete
Schweizer System 3 neigen dazu, durch reaktive Anpassungen (wie den Ausbau von Subventionen
oder regulatorische Eingriffe) so lange wie möglich am bestehenden Modell festzuhalten.
Die Transformationsforschung zeigt jedoch, dass grundlegende Systemwechsel meist dann eintreffen,
wenn bestimmte kritische Schwellenwerte im Zusammenspiel von Wirtschaft, Bevölkerung und
Staatsfinanzen überschritten werden.
Historische und soziologische Modelle lassen folgende drei Dimensionen für einen solchen Kipppunkt
erkennen:
1. Die ökonomische Schwelle: Der Kipppunkt der Steuerbasis
Ein kapitalistisch organisiertes System gerät dann in eine existenzielle Krise, wenn die Zahl der
Nettobeitragsempfänger die Zahl der Nettosteuerzahler strukturell übersteigt.
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Die Faustregel: In der Finanzwissenschaft gilt eine Gesellschaft als akut instabil, wenn mehr
als 30 % bis 40 % der erwerbsfähigen Bevölkerung oder der Unternehmen dauerhaft auf