HerkulesAufgaben - Flipbook - Page 52
Bedenken 4
Wenn die Versorgung knapp wird
Nehmen wir an, die Schweiz findet die nötigen Abkommen mit Europa nicht: Liessen sich auf
regionaler Ebene (durchaus auch auf internationaler Ebene wie DACH / CH-Italien-Österreich / CHFrankreich-Deutschland) realistisch, resiliente und selbstversorgende, tragfähige, autonome Systeme
für Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft projizieren?
Ein solches Szenario 3 das Entstehen autonomer, hochgradig resilienter Regionalsysteme im Herzen
Europas bei einem gleichzeitigen Scheitern der grossen Verträge zwischen Bern und Brüssel 3 ist
konzeptionell faszinierend, stösst jedoch in der Realität an die harten Grenzen moderner
Wirtschaftsströme und physischer Infrastrukturen.
Kurz gesagt: Kulturell und gesellschaftlich existieren solche resilienten, grenzüberschreitenden
Netzwerke im DACH-Raum und in den Grenzregionen bereits und liessen sich massiv ausbauen.
Wirtschaftlich und technologisch ist eine echte Autonomie oder Selbstversorgung auf regionaler
Ebene in einer hypervernetzten Welt jedoch eine Illusion.
Das Potenzial und die Grenzen solcher regionaler >Resilienz-Inseln< lassen sich in drei Dimensionen
unterteilen:
1. Gesellschaft und Kultur: Das realistische Fundament
In diesem Bereich ist das Szenario am greifbarsten und bereits gelebte Realität. Die Grenze verliert im
Alltag der Menschen oft ihre trennende Wirkung.
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Der bestehende Grossraum (DACH): Der Sprach- und Kulturraum zwischen Deutschland,
Österreich und der Deutschschweiz ist organisch extrem resilient. Wissenschaftlicher
Austausch, Medienkonsum, Theater-, Literatur- und Kunstszenen funktionieren weitgehend
unabhängig von EU-Rahmenabkommen.
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Grenzüberschreitende Lebensräume: Regionen wie die Regio Basiliensis (CH-DE-FR), der
Bodenseeraum (CH-DE-AT) oder die Metropolregion Genf (CH-FR) besitzen eine tief
verankerte Identität. Hier pendeln Hunderttausende Grenzgänger täglich. Die soziale Resilienz
dieser Räume ist hoch, da die alltägliche Kooperation (z. B. im öffentlichen Nahverkehr oder
bei Kulturprojekten) pragmatisch von lokalen Behörden organisiert wird.
2. Wirtschaft und Infrastruktur: Die harte Realität der Abhängigkeit
Hier bricht die Vision einer echten regionalen Autonomie oder Selbstversorgung zusammen. Moderne
Volkswirtschaften basieren auf tiefen Lieferketten und Verflechtungen, die sich nicht regional
eingrenzen lassen.
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Das Energie-Dilemma: Die Schweiz ist im Winter massiv auf Stromimporte aus Deutschland
und Frankreich angewiesen. Ein autonomes Schweizer Energiesystem, das sich nur über
regionale Absprachen ohne EU-weiten Binnenmarktzugang (Strombinnenmarkt) trägt, läuft
Gefahr, bei extremen Wetterereignissen oder Mangellagen instabil zu werden. Netzstabilität
lässt sich im 21. Jahrhundert nur noch kontinental steuern.
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Wertschöpfungsketten (Lieferketten): Ein Pharmaunternehmen in Basel oder ein
Maschinenbauer in der Ostschweiz produziert nicht für den DACH-Raum, sondern für den
Weltmarkt. Die Vorprodukte stammen aus Asien, die Zertifizierungen müssen EU-weit gelten.
Regionale Abkommen mit Baden-Württemberg oder der Lombardei können keine Zölle,
technischen Handelshemmnisse oder den Wegfall der Personenfreizügigkeit kompensieren, da
die Gesetzgebungskompetenz dafür in Brüssel, Paris oder Berlin liegt 3 nicht in den Regionen.