HerkulesAufgaben - Flipbook - Page 55
÷
Wie eine solche >Alpen-Festung< der Wirtschaft historisch an frühere Bündnisse anknüpfen
könnte.
÷
Welche konkreten Branchen (z. B. die Pharmacluster Basel-Süddeutschland) am ehesten als
Pioniere für ein solches System infrage kämen.
÷
Welche politischen Widerstände in den Nachbarländern ein solches Szenario heute
blockieren.
Lieber möchte ich fragen, ob denn eine reformierte Agrarpolitik, die stark auf die Produktion
nachwachsender Ressourcen und auf die Steigerung des Selbstversorgungsgrads setzen würde, die
Autonomie und Resilienz dieser Regionen nicht doch in Reichweite rücken liesse?
Eine radikal reformierte Agrarpolitik, die konsequent auf die Produktion nachwachsender
Ressourcen (Bioökonomie) und eine maximale Steigerung des Selbstversorgungsgrads setzt,
würde die Autonomie und Resilienz der DACH-Region und ihrer Nachbarn tatsächlich in greifbare
Nähe rücken 3 allerdings nur in den Bereichen Ernährung, Energie und Biowerkstoffe.
Für eine umfassende gesellschaftliche und industrielle Autonomie reicht der Faktor Boden jedoch
nicht aus. Eine solche Transformation würde die Region vor ein fundamentales Flächen- und
Ressourcenparadoxon stellen.
Das Potenzial und die harten Grenzen einer solchen agrarischen Resilienzstrategie lassen sich wie
folgt aufschlüsseln:
1. Wo die Realität der Autonomie in Reichweite rückt
÷
Ernährungssouveränität im Verbund: Die Schweiz hat aktuell einen NettoSelbstversorgungsgrad bei Lebensmitteln von rund 45 bis 50 %, Deutschland von etwa 80 bis
85 %. Im Verbund der Grossregion (Schweiz, Süddeutschland, Österreich, Norditalien) liesse
sich durch eine koordinierte Agrarpolitik eine 100-prozentige Kaloriensouveränität
erreichen. Voraussetzung wäre eine politische Steuerung: Reduktion der Nutztierbestände
zugunsten des direkten Anbaus von pflanzlichen Nahrungsmitteln und eine konsequente
Eindämmung von Food Waste.
÷
Dezentrale Energiebiomasse: Durch den massiven Anbau von Energiepflanzen (wie
schnellwachsenden Hölzern, Miscanthus oder Durchwachsener Silphie) und die systematische
Nutzung von Hofdünger in Biogasanlagen könnte die Region ihre lokale Grundlastfähigkeit
bei Strom und Wärme massiv stärken. Das würde die Abhängigkeit von fossilen Importen
oder fernen Stromnetzen drastisch senken.
÷
Ersetzung fossiler Rohstoffe (Bioökonomie): Die Land- und Forstwirtschaft dieser Regionen
(insbesondere die waldreichen Gebiete in Österreich, Bayern und der Schweiz) könnte die
Basis für eine regionale Bau- und Verpackungswirtschaft stellen. Holz, Hanf, Flachs und
biobasierte Kunststoffe würden Erdölprodukte in der regionalen Industrie ersetzen.
2. Das unlösbare Flächenparadoxon (Die harte Grenze)
Obwohl die Landwirtschaft die Widerstandskraft stärkt, stösst der Versuch einer vollständigen
regionalen Autonomie über den Boden an mathematische Grenzen:
÷
Der Nutzungskonflikt (>Teller, Trog oder Tank