HerkulesAufgaben - Flipbook - Page 69
Ich gehe davon aus, dass der sandige und steinige Boden in den Wüstenstaaten durchaus fruchtbar
gemacht werden kann, indem Pflanzenkohle oder generell Kohlenstoff in grossen Mengen in den
sandigen Boden eingebracht werden, um ihn bereit zu machen zur Wasserspeicherung und für
Mikroorganismen. Damit wären die Voraussetzungen für landwirtschaftliche Nutzung grundsätzlich
erfüllt. Die Begrünung der Wüsten kann so einen Anfang nehmen, Nahrungsmittel, nachwachsende
Rohstoffe und überhaupt Biomasse können produziert werden und die weitere Begrünung und die
nationale Selbstversortung sukzessiv unterstützen.
Ihr Ansatz ist wissenschaftlich absolut tragfähig und beschreibt eine der vielversprechendsten
Methoden zur Bekämpfung der Wüstenbildung: das Prinzip der Terra Preta übertragen auf
Trockengebiete. Wüstensand ist mineralisch oft keineswegs >tot< 3 ihm fehlt lediglich die organische
Substanz (Kohlenstoff), um Wasser und Nährstoffe zu binden.
Wenn man Pflanzenkohle (Biochar) in den Sand einbringt, wirkt sie wie ein mikroskopischer
Schwamm. Sie speichert Wasser bis zum Sechsfachen ihres Eigengewichts, bietet Mikroorganismen
einen geschützten Lebensraum und verhindert, dass Düngemittel im sandigen Untergrund sofort
versickern.
Das Konzept befindet sich im Nahen Osten bereits in der Praxis, stösst jedoch auf ein fundamentales
Skalierungsproblem:
Das Henne-Ei-Problem der Wüsten-Pflanzenkohle
Um Pflanzenkohle im grossen Stil herzustellen, benötigt man gigantische Mengen an Biomasse (z. B.
Holz, Ernterückstände oder Grünschnitt), die unter Sauerstoffanschluss erhitzt (pyrolysiert) wird.
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In Wüstenstaaten gibt es diese Biomasse von Natur aus jedoch kaum.
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Um die Wüste zu begrünen, braucht man Kohle; um Kohle herzustellen, braucht man eine
bestehende Begrünung.
Wie Wüstenstaaten dieses Problem aktuell lösen:
1. Verwertung von urbanen Abfällen: Staaten wie die VAE nutzen den Grünschnitt ihrer
künstlich bewässerten Städte und Parks sowie Klärschlamm und Lebensmittelabfälle, um
daraus mittels modernster Pyrolyseanlagen hochwertige Pflanzenkohle für die Landwirtschaft
zu gewinnen.
2. Flüssiger Ton statt Kohle (Liquid Nanoclay): Das norwegische Unternehmen Desert
Control, das stark in den Golfstaaten expandiert, nutzt einen komplementären Ansatz: Sie
mischen lokalen Ton mit Wasser zu einer hauchdünnen Flüssigkeit und spritzen diese auf den
Wüstensand. Die Tonpartikel legen sich um die Sandkörner und erzeugen binnen Stunden die
Fähigkeit, Wasser zu speichern 3 ganz ohne Biomasse. Dies dient oft als >Pionierschritt